Visit Västerbotten

Die längste Seilbahn der Welt

Wir schweben über Moore, Seen, Wälder und Wege. Die Sonne scheint, und der Schatten unserer kleinen weißen Gondel begleitet uns. Es handelt sich um das Transportmittel, das 1943 als längste Seilbahn der Welt in Betrieb genommen wurde. Damals wurde Erz vom Bergwerk in Kristineberg zum Schmelzwerk in Boliden transportiert, jetzt fahren wir zum Vergnügen von Örträsk nach Mensträsk oder umgekehrt.

Während des Zweiten Weltkrieges war der Warenverkehr abgeschnitten und Gummireifen und Treibstoffe waren Mangelware. Wie sollte das Erz transportiert werden? Da es zu lange gedauert hätte, eine Eisenbahnstrecke zu bauen, entschied man sich für eine Seilbahn, die 96 km lang wurde.

Schnee und Kälte

Sie wurde während des harten, schneereichen Winters 1942-43 gebaut. Beginnen Sie also die Reise damit, sich den Film über den Bau anzusehen. Während man sich Rentierbraten und Kartoffelsalat aus dem gekauften Korb schmecken lässt und die Aussicht genießt, muss man unwillkürlich an wegloses Land, Kälte und Schnee denken. Es dauerte ein Jahr und fünf Tage, 515 Masten zu gießen, die 7 bis 38 Meter hoch sind.

Für jeden Meter der Masten wurden 2 Tonnen Beton benötigt. Lesen Sie den Satz noch einmal, und fügen Sie von Hand gemischt hinzu. Und seien Sie genauso beeindruckt und verblüfft wie ich. Wie konnte das in weglosem Land nur bewerkstelligt werden? Die Masten wurden nummeriert, damit man wusste, wohin das Baumaterial gefahren wurden musste. Frühstück, Mittag- und Abendessen wurden von Frauen zubereitet und mit dem Pferd und Decken um die dampfenden Töpfe ausgefahren. 1 500 Mann mussten verköstigt werden.

Pioniertaten dürfen nicht sterben

Es erscheint wie eine Pioniertat, aber der Erbauer der Seilbahn hatte bereits in Köping den Bau einer 42 km langen Seilbahn getestet und dabei Erfahrungen gesammelt.
Die Seilbahn war seit dem Start ununterbrochen in Betrieb gewesen, aber 1998 meinte der neue Eigentümer von Boliden, dass sie ausgedient habe. Die Einwohner von Örträsk wollten das weder begreifen noch akzeptieren. 28 Mann hatten die Bahn in Schuss gehalten und jeder kannte jemanden, der von der Schufterei und dem Bau erzählt hatte. Es musste etwas getan werden. Der größte Enthusiast war der Musiklehrer Alve Johansson, der in Australien gewesen war und dort gesehen hatte, wie Industriedenkmäler mit Respekt und Freude genutzt werden.
Das Ergebnis von viel freiwilliger Arbeit an Technik und Sicherheit ist, dass wir heute in eineinhalb Stunden 13,6 km Seilbahn von Örträsk nach Mensträsk fahren können. Im Preis sind die Fahrt in der Vierpersonenkabine, der Film, den Sie absolut nicht verpassen dürfen, und die Busfahrt zurück zum Ausgangspunkt inbegriffen.

Nachttopf und Sprechfunkgerät

Bosse Biström, der viele kannte, die beim Bau dabei waren und der sein ganzes Leben bei der Bahn gearbeitet hat, sagt mit Nachdruck:
"Wir haben uns eingesetzt, weil wir die Erbauer der Bahn ehren und unseren Dörfern eine Chance zum Überleben geben wollten".
Es wurde auch darum gekämpft, dass alle Masten stehen bleiben sollten, und das tun sie auch, wie hoch aufgerichtete, elegante Skulpturen in der Landschaft. Stumme Denkmäler mit starker Ausstrahlung.
Heute ist die Bahn Eigentum einer Stiftung, die von Bosse Biström und Marie-Louise Eklund geleitet wird. Wir haben Plätze reserviert und Bosse und Marie-Louise nehmen in der Kabine Platz. Bosse demonstriert, wie das Sprechfunkgerät funktioniert, das es in jeder Kabine gibt. Marie-Louise zeigt den Nachttopf unter dem Sitz. Man fühlt sich auf alles vorbereitet.

Hecht und Seerosen

Beide beantworten unsere Fragen. Die Seilbahn ist aufregend für Groß und Klein. Wir schweben los, auf dem Klapptischchen gibt es eine Karte, auf der Höfe und Dörfer sowie Bäche und Gewässer eingezeichnet sind, über die Bauholz gelegt wurde, damit man sie mit dem Fahrrad oder der Schubkarre überqueren kann. Mitten auf der Strecke kommt uns die Kabine aus der anderen Richtung entgegen. Sie gleitet dicht an uns vorbei und an jedem Masten, den wir passieren, ist das Antriebszahnrad zu spüren. Und da arbeitet einer an der Bahn. Aber war das wirklich ein alter Mann? Und das Wegschild für Motorschlitten nach Glommersträsk. Es ist mitten am Tag, aber trotzdem hoffen wir einen Elch zu sehen, und vielleicht haben wir ja gerade einen Blick auf den Schatten eines Fuchses erhascht. Einmal glaube ich, einen Riesenhecht vorbeigleiten zu sehen. Und da - gelbe Seerosen.
Und dann,schon angekommen...
In Örträsk gibt es im alten "Skrädhus" (Ausscheidehaus) Filmvorführungen, eine Ausstellung und ein keines Café mit zeittypischen Kaffeehausmöbeln. Im Skrädhuset wurde früher das Erz sortiert. Dort befinden sich auch die Reparaturwerkstatt und die alten Erzkörbe.
In Mensträsk auf der Halbinsel Bäckerudden wurde 1945 Erz gefunden. Es wurde ein 245 Meter tiefer Schacht gebaut und unter dem See wurden Stollen gesprengt. Wasser sickerte herein und das Bergwerk wurde so unsicher, dass es 1949 geschlossen wurde. Im alten Fördergerüst befindet sich die Gaststätte "Krogen i Skogen" (Wirtschaft im Wald), die geöffnet ist, wenn die Seilbahn läuft. Dort kann man Tische für Gruppen und Ferienhäuser zum Übernachten buchen